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Altana: Betriebsrat wehrt sich mit Händen und Füßen

Veröffentlicht in Kommunalpolitik

Wochenblatt 22.03.2007
Konstanz/Reichenau (frö). Nun ist die Katze aus dem Sack, Altana/Nycomed entlässt alleine am Standort Konstanz 800 Mitarbeiter. »Diese Maßnahmen sind völlig ungeeignet, um dem Unternehmen eine solide Perspektive zu geben«, so lautet das erste Fazit des Betriebsratsvorsitzenden und Vorstandmitgliedes Rolf Benz auf einer Pressekonferenz heute Vormittag auf der Insel Reichenau. Die Arbeitnehmer sind sauer, wochenlang hatte man gezittert, nun steht der Kahlschlag fest. Demnächst wird es einen öffentlichen Protest geben, am Montag den 26. März trifft man sich um 16 Uhr am Altana Werkstor zu einer Protestkundgebung. Rolf Benz bezeichnet die Maßnahme ferner als ein »unsoziales Modell«, der Konzern wird viel an Know-How und damit an wertvoller Kompetenz verlieren. »Das macht den Betrieb unatttraktiv«, sagt der Betriebsratvorsitzende. Und: »Das ist ein herber Verlust für den Wirtschaftstandort Baden-Württemberg. Eine gute Zusammenarbeit verlangt einen anderen Weg«. Die Arbeitnehmer befürchten, dass der Konzern immer weniger in die Forschung und immr mehr in den Vertrieb stecken wird.

Auch ein Werk in München wird komplett geschlossen werden. »Die Wirtschaft darf nicht nur die Rendite im Auge haben, sie muss den
Menschen dienen, sonst ist sie unsozial«, so Rolf Benz. Dabei ist die Spitze des Eisbergs noch gar nicht erreicht. Denn die Nachricht, der Standort
Singen bleibe von den Entlassungen verschont, wollten die Arbeitnehmer-Vertreter so nicht bestätigen. Singen ist kein reiner Produktionsstandort, hier gibt es Angestellte im IT-Bereich, im Einkauf und
im Marketing. Von daher ist es durchaus denkbar, dass auch in der Hohentwielstadt Stellen abgebaut werden. So um die 200 lautete eine vorsichtige Prognose.
Die Arbeitnehmer müssen nun nach einem für ihre Klientel stimmigen Interessenausgleich suchen. Dieser Prozeß wird Monate dauern. Dass innerhalb der nächsten Wochen alles über die Bühne laufen soll, wurde von den Betriebsräten relativiert. Oberstes Ziel sei es, die Zahl der Entlassungen nach unten abzusenken. Alle erdenklichen Möglichkeiten würden
ausgelotet werden, um die Beschäftigung doch noch zu sichern. Das habe oberste Priorität. Bisher habe die Konzernleitung noch kein befriedigendes
Angebot vorgelegt. Umstritten im Zusammenhang mit den bevorstehenden Entlassungen ist auch die Personalie des Vorstandes Hans-Joachim Lohrisch. Ihm werden von Arbeitnehmer Seite Versäumnisse in seiner Politik als Chef des alten Altana-Konzerns vorgeworfen. Dabei wirkte das Bekenntnis von Rolf Benz eindeutig: »Wir würden es lieber sehen, wenn Herr Lohrisch nicht mehr im Betrieb wäre«. Die Alternativen hinsichtlich andere Standorte sind momentan noch völlig spekulativ. Heftig kritisiert wurde auch das Versäumnis der Konzernleitung, rechtzeitig über den Stellenabbau zu informieren. Es sei schlechter Stil, wenn die Belegschaft aus der Presse erfahren müsse, dass Stellen abgebaut würden. Von vorneherein sei klar gewesen, dass Nycomed mit dem Kauf von Altana eine große Rolle auf dem Europäischen Markt spielen wolle. Auch für andere Standorte werde es bitter werden, Konstanz sei nur die Spitze des Eisbergs.
Bei Nycomed sei immer der Mensch im Mittelpukt gestanden, erklärte Friedrich Zimmer , Vorsitzender des europäischen Betriebsrates von Nycomed. Das habe
sich geändert, diese Entwicklung sei bedauerlich.
Einstimmig war man auf Seiten der Arbeitnehmer-Vertreter der Ansicht, dass der Erlös aus dem Verkauf des Unternehmens für den Altana-Konzern selbst
hätte verwendet werden müssen. Damit hätte man den Abbau von Arbeitsplätzen eventuell verhindern können.

 

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